Gary Calamar stammt aus der Bronx, NY, und verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in Musikläden. Als er Anfang der 80-er nach L. A. zog, hat es ihn hinter den Ladentresen verschlagen, er leitete die Läden und hielt die aufblühende Kultur der Plattenläden am Leben. Im April 2010 veröffentlichte er das Buch „Record Store Days“, welches sowohl von dem Leben und Geschmack des Verbraucher als auch des Musikliebheber beeinflusst wurde.
Calamar ist natürlich sehr viel mehr als nur ein Verbraucher und Autor. Seit Mitte der 90 – er arbeitete er als freiwilliger Helfer und DJ für KCRW. Gary betreut sonntags von 21 – 24 Uhr eine Show, die nicht nur aktuelle Musik spielt, sondern dort werden auch die Wurzeln von Rock, Country, Jazz, Blues und Soul wiederbelebt.
1998 schafft Calamar den Durchbruch als Music Supervisor, als er und Marq Roswell die Musik für den Film „Slums of Beverly Hills“ lieferten und 1999 arbeitete er erneut mit Roswell zusammen, diesmal für „Varsity Blues“. Dieser letzte Soundtrack brachte ihm eine Goldene Schalplatte ein. Seine Arbeit mit Partner Thomas Golubic für „Six Feet Under“ (HBO) gewann an Einfluss, sie lieferten einen Grund „Indie – Musik“ im TV zu verwenden. Gary gründete mit Alyson Vidoli „Go Music“. Derzeit wählt er für „True Blood“ (HBO), „House“ (FOX) und Dexter (Showtime) die Musik aus, und war kürzlich für den Grammy für den „True Blood II Soundtrack“ nominiert.
Bei allen Aspekten des Musikgeschäfts interessiert sich Calamar für viele Themen. Er beschäftigt sich mit neuen Bewegungen und bleibt den alten Dingen, die alles unwiderstehlich, bedeutungsvoll und lustig machten, treu.
Würdest du uns verraten, wie du zu „Six Feet Under“ gekommen bist?
Gary: Ich hatte gerade ein paar Projekte – Varsity Blues und Slums of Beverly Hills – mit Marq Roswell beendet. Dann wurden Thomas (Golubic) und ich Freunde. Wir trafen uns bei KCRW und beschlossen zusammen an Projekten zuarbeiten, so wurden wir Partner. Thomas hatte von einem Freund, der Redaktionsassistent dort war, von dieser neuen Show – „Six Feet Under – gehört. Wir bewarben uns dafür. Wir haben uns mit ihnen getroffen. Es schien so als hätten sie sich mit vielen Leuten getroffen, aber ich glaube, sie mochten, dass wir zum Nachwuchs gehörten und sie mochten unsere Verbindung zu KCRW. Gott sei Dank, bekamen wir den Gig. Wir haben uns mit Alan Ball und Alan Pole getroffen und bekamen den Job.
Was bringt dein täglicher Job mit sich? Kannst du mir erklären wie du Musik, für beispielsweise True Blood auswählst?
Nun wir bekommen das Skript schon sehr früh. Wir haben erst für die neue Staffel ein paar Skripts bearbeitet. True Blood ist einmalig, da jede Folge nach einem der Songs der Show benannt ist. Wenn wir das Skript bekommen, haben die Autoren die Folge normalerweise schon nach einem Song, den sie in der Folge sehen möchten, benannt und das zeigt sich auch im Thema des Skripts. Der Song schafft es vielleicht nicht in die endgültige Folge. Manchmal merken wir, dass der Song nicht passt oder er schafft es aus anderen Gründen nicht in die Endfassung. Wir mussten den Titel einer Folge auch schon ändern. Wir lesen das Skript, machen Notizen und wenn wir die Rohfassung der Show sehen, beginnen wir mit der eigentlichen Arbeit.
Sie schicken eine Rohfassung an mein Büro und ich sehe mir diese an, mache erneut Notizen. Dann treffen wir uns zu einer Besprechung, in der ich mir mit Alan Ball, dem Schöpfer und Autor der Show, mit dem Musikredakteur und verschiedenen Produzenten die Show ansehe. Nathan Barr, der Komponist, ist auch da. Wir gehen die Show Szene für Szene durch und entscheiden was wir machen: ob ein Song rausfällt, oder ob er dabei bleibt. Nach welcher Stimmung sucht Alan? Ich wäge ab und sage meine Meinung. Jeder sagt was er denkt und dann gehe ich wieder in mein Büro und beginne die Ideen zusammenzufügen. Ich suche nach Ideen von denen ich hoffe, dass sie funktionieren. Ich sehe die Bilder auf der Leinwand und probiere verschiedene Songs aus. Ich versuche es auf 3 bis 4 Song einzugrenzen. Dann arbeite ich mit dem Musikredakteur zusammen, um die Songs und die Szenen zusammenzuschneiden. Danach zeige ich das Alan und er trifft die Entscheidung.
Die Themen Gewalt und natürlich Blut kommen in mehreren Shows, die du betreust, vor. Wurdest du zu einem Experten auf diesem Gebiet?
Ich nehme es an. (lacht) ich weiß sicherlich eine Menge mehr darüber als ich sollte. Es ist nicht so, als hätte ich eine besondere Leidenschaft für Blut, Vampire und Dinge wie das. Ich versuche so viele interessante Projekte wie möglich zu machen. Für True Blood und auch für Dexter haben ich mich viel mit der Musik des Südens beschäftigt. Ich verwende viel kubanische Musik. Für jede Show an der ich arbeite, muss ich neu recherchieren. Das ist immer ein Vergnügen.
Welchen Rat gibst du jedem, der ohne Erfahrung als Music Supervisor erfolgreich sein möchte?
Ich würde sagen, dass es heutzutage sehr viel Konkurrenz gibt und dass es kein einfacher Weg wird. Ich habe in der Branche die Erfahrung gemacht, dass es das Beste ist, wenn man als Praktikant für jemanden mit Erfahrung arbeitet. Das habe ich getan. Als ich anfing arbeitete ich wieder und wieder mit Marq Roswell, und letztendlich habe ich ein paar Projekte mit betreut. Music Supervisor bekommen von Zeit zu Zeit sehr viel Anerkennung, aber wir werden bestimmt nicht überbezahlt, im Vergleich zu Komponisten und anderen Menschen der Branche. Ich würde sagen, wir bekommen nicht genug, um viele Mitarbeiter bezahlen zu können. Wenn jemand in meine Welt eintauchen möchte – selbst das ist hart – dann muss er umsonst arbeiten. Ich bekomme sehr viele Bewerbungen, da ich bei KCRW arbeite. Ich bin es gewöhnt Volontäre zu haben. Aber es ist nicht einfach umsonst für mich zu arbeiten. Ich habe 2 oder 3 Leute, die mir helfen. Sie helfen uns während der Woche, überall da wo sie gebraucht werden und so bekommen sie die Chance das Geschäft kennen zu lernen. Ich bin mir sicher, dass sie später sehr viel erreichen werden. Ich würde sagen, für jemanden umsonst zu arbeiten ist etwas Gutes und ich würde es jedem empfehlen, der versucht in diesem Business Fuß zu fassen.
Wie erregt ein Künstler deine Aufmerksamkeit?
Das ist auch sehr hart. Ich habe wieder keine tolle Antwort. Aber er sollte einfach großartige Musik machen. Um in eine meiner TV – Shows zu kommen, muss ich die Musik für eine der Shows verwenden können. True Blood hat einen bestimmten Stil und Dexter ebenfalls. Daher ist es natürlich gut wenn sie ihre Hausaufgaben machen und erkennen welche Art von Musik ich für diese Projekte verwende. Um in die Radio Show zukommen, sollten sie sich zeigen, großartige Musik machen, auf Tour gehen und Schlagzeilen machen, vielleicht höre ich von ihnen. Ich würde gern sagen, dass ich mir alles anhöre was ankommt, aber es ist einfach unmöglich, für mich, das zu tun.
Manchmal höre ich öfter in der Woche von einer Band. Dann beginne ich mir zu überlegen, „Oh, ich höre schon wieder von der Band. Es klingt so, als seien sie es Wert, dass man sie sich mal anhört.“ Ich mache weiter und hören sie an. Ich werde so mit Material bombardiert, dass es für mich unmöglich ist alles zu hören.
Was glaubst du wie sich das Business in den nächsten 5 bis 10 Jahren entwickeln wird?
Ich glaube es wird weiter florieren. Die Produktions-, Film-, Videospiel- und Werbebrachen erkennen, dass Musik ein sehr wichtiges Element für sie darstellt, und ich glaube, dass sie auch weiterhin musikalische Leiter brauchen werden. Die Zunft der Music Supervisor ist gerade erst im Aufbau und wir möchten erreichen, dass wir eine einheitliche Stimme bekommen, krankenversichert werden und weitere verschiedene Sozialleistungen erhalten. Das ist Etwas, das jetzt in dem Moment, in dem wir miteinander sprechen, geschieht. Wie ich schon sagte, es gibt sehr viel Konkurrenz, wir werden mit Music Supervisor überschwemmt und im Moment wird auch so viel produziert. Ich glaube diejenigen, die einen guten Job machen und erfolgreich sind, werden weiter arbeiten. Ich glaube in den nächsten Jahren wird es reichlich Arbeit geben. Wenn sich die Musikindustrie weiter so entwickelt, haben die Plattenlabel und die Künstler die Möglichkeit richtig viel Geld zu verdienen, ohne auf Tour gehen zu müssen. Aber die Platten verkaufen sich heutzutage nicht so gut.
Da du sowohl für das Radio als auch für das Fernsehen gearbeitet hast, betrachtest du die Dinge aus einem anderen Blickwinkel. Du hast beobachtet wie Technologien, wie „File Sharing“ und „TiVo“, die Industrie gespalten und verändert haben. Was denkst du wie diese Entwicklungen die Art und Weise, wie die Menschen Musik hören, beeinflussten?
Ich glaube die Branche verändert sich stetig, die Plattenlabel müssen ihre Philosophie ein bisschen ändern, aber ich glaube auch, dass immer noch eine Menge großartige Musik produziert wird und die Menschen einfacher darauf zugreifen können. Ich nutze die neuen Technologien und sie machen meine Arbeit manchmal sehr viel einfacher. Ich kann an meinem Schreibtisch sitzen, Musik am Computer hören und iTunes und verschiedene Datenbanken durchstöbern, um die Musik zu finden, die ich suche. Ich muss nicht mehr in ein Geschäft gehen und die Dinge dort suchen. Ich glaube, dass die Musik und das Hörerlebnis in guten Händen sind. Ich kann es nur wieder betonen, das Geschäftsmodel leidet. Ich bin ein großer Plattenladen – Fan und habe für viele Läden gearbeitet, daher bedaure ich es, dass so viele Geschäfte schließen mussten. Ich glaube aber es bleibt noch Platz für gute Plattenläden. Geschäfte wie „Amoeba“ und „Freakbeat“ in Studio City und „Fingerprints“ in Long Beach leisten alle großartige Arbeit und sie werden auch bestehen bleiben. Man muss einfach ein bisschen umdenken.
Du hast ein Buch, mit dem Titel „Record Store Days“, geschrieben. Kannst du uns erklären wie es dazu kam?
Ich bin mit einer Leidenschaft für Plattenläden aufgewachsen und ich war die Art von Kind, die jeden Tag in den gleichen Plattenladen gehen wollte, wenn sie daran vorbei kam. Einfach nur um zu sehen, was es neues gab, die Kisten durchzusehen und die Anmerkungen zu lesen, und die verschiedenen Poster an der Wand zu betrachten. Ich liebte die Musik und die Läden brachten mich den Künstlern einen Schritt näher. Irgendwann wollte ich in einem Musikladen arbeiten oder diesen leiten. Ich habe für den großen „Rhino“ Musikladen in Westwood, LA, geleitet, ich arbeitete für eine große Kette, namens „Licorice Pizza“, und ich arbeitete für die kleinere Kette „Moby Disc“. Ich liebte es in einem Plattenladen zu sein: Leute durchstöbern die Boxen, alle hören die gleiche Musik. Es ist der sozialere Weg neue Musik zu entdecken und neue Musik zu kaufen. Wiederum sehen wir, dass sich die Zeiten ändern und Musikgeschäfte geschlossen werden, ich dachte mir, dass diesen Institutionen ein Denkmal gesetzt werden sollte, und hatte die Idee ein Buch über Plattenläden zuschreiben. Ich habe mich mit Phil Gallo, einem erfahrenen Musikjournalisten, getroffen. Wir haben das Buch zusammen verfasst und sind sehr stolz darauf.
Welche Synchronisation gehört zu deinen Favoriten?
Nun, ich glaube Thomas (Golubic) hat das schon in einem Interview, welches ihr mit ihm geführt habt, erwähnt. Unser Highlight ist der Sia Song („Breathe Me“) am Ende der finalen Folge von Six Feet Under. Es war so eine tolle Folge. Es war das große Finale einer großartigen Show. Sia war zu diesem Zeitpunkt nahezu unbekannt, daher war es schön, dass wir etwas Frisches hatten, was die Leute noch nicht gehört haben. Jetzt kennt jeder den Song. Sie hören ihn und beginne zu weinen, weil diese Szene einfach großartig war. Ich würde sagen, das ist definitiv das Highlight.
Und wie ist es bei True Blood?
Die „Watson Twins“ haben eine gecoverte Version des „Cure“ Song’s „Just Like Heaven“ veröffentlicht. Ich liebte ihn, da er in seiner der ersten Szenen der Charakter Bill und Sookie gespielt wurde. Sie nahmen ein Bad und sie machten es sich gemütlich. Wir spielten einen „Cure“ Song, welcher für mich die Gothicmusik und die Vampire repräsentierte. Ich sollte es überdenken, aber für mich ist die Verwendung dieser Version des Gothic Songs passend für die Charaktere. Es war für die Szene wie geschaffen.
Welche Bands, die du heutzutage hörst, gehören zu deinen Favoriten?
Ich bin ein großer Fan der „Submarines“. Einige ihrer Hits vom letzten Jahr mag ich sehr. Es gibt viele Band, die zu meinen Favoriten gehören: „Band of Horses“, „Those Darlins“, „Black Keys“, die Band „Robes“, aus New York, mag ich auch sehr. In der Show verwendeten wir einen Song von Cary Ann Hearst.
Hell’s Bells?
Ja.
Ich liebe diesen Song.
Was ist dein Lieblingssoundtrack?
Mein „Grammy“ – nominierter Soundtrack „True Blood Volume II“ zählt nicht? Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, etwas wie „Pulp Fiction“. Ich glaube Quentin Tarantino leistete bei der Auswahl der Songs großartige Arbeit. Es gibt so viele großartige Soundtracks, aber diese kam mir gerade in den Sinn.
Quelle: rollogrady.com